php2shell: Die PHP-Lücke, wegen der gerade Webseiten offline gehen
Seit dem 21. Oktober 2026 sind zwei kritische Lücken in PHP öffentlich. Angreifer können Webserver ohne Anmeldung übernehmen, Cloudflare zählt Millionen Versuche. Betroffen ist fast jede Webseite der letzten zwanzig Jahre – und oft auch das Gerät im Büro, an das niemand denkt.
Kurz gesagt: Am 21. Oktober 2026 wurden zwei kritische Sicherheitslücken in PHP veröffentlicht, zusammengefasst unter dem Namen php2shell. Angreifer können über sie fremden Code auf einem Webserver ausführen – ohne Passwort, ohne Anmeldung, aus der Ferne. Betroffen sind sämtliche PHP-Versionen der letzten zwanzig Jahre. Wer eine Webseite hat, sollte heute klären, ob sie aktualisiert wurde.
Warum das fast jede Webseite betrifft
PHP ist die Programmiersprache, in der ein großer Teil des Webs geschrieben ist. WordPress läuft darauf, TYPO3, Joomla, die meisten Shopsysteme und unzählige Baukästen. Wenn Ihre Webseite nicht gerade von Grund auf anders gebaut wurde, steht die Wahrscheinlichkeit hoch, dass im Hintergrund PHP arbeitet.
Die beiden Fehler stecken an Stellen, die bei jedem Seitenaufruf beteiligt sind: in der Speicherverwaltung (CVE-2026-109618) und in der Fehlerbehandlung (CVE-2026-109619). Beide sind mit einem CVSS-Wert von 9,2 als kritisch eingestuft – die Skala endet bei 10.
Ein Angriff braucht keine Zugangsdaten. Er funktioniert, indem sehr viele Anfragen an den Server geschickt werden, bis der Fehler auslöst. Die Entdecker von Calif haben gezeigt, wie sie auf diesem Weg in 38 Sekunden Befehle auf einem fremden Webserver ausführen. Cloudflare beobachtet nach Angaben von Reuters bereits Millionen von Angriffsversuchen.
Was das praktisch bedeutet
Wer einen Webserver übernimmt, kann mehr als die Seite verunstalten. Üblich ist, dass die Seite unauffällig weiterläuft und im Hintergrund Schadsoftware an Besucher ausliefert, Weiterleitungen auf fremde Shops eingebaut werden oder der Server als Versandstation für Spam dient. Auffällig wird es meist erst, wenn Google die Seite als gefährlich markiert – und dann sehen Ihre Kunden eine rote Warnseite statt Ihres Betriebs.
Deshalb haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Anbieter ihre Seiten vorübergehend abgeschaltet, statt das Risiko zu tragen.
Drei Dinge, die Sie prüfen sollten
1. Ihre Webseite. Wenn Ihre Seite bei einem Anbieter wie IONOS, Strato oder einer Agentur liegt, ist das Einspielen der Updates deren Aufgabe. Verlassen Sie sich nicht stillschweigend darauf, sondern fragen Sie nach. Eine Mail genügt: „Ist unser Webhosting gegen die PHP-Lücken CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 aktualisiert?“ Wer darauf innerhalb eines Tages keine klare Antwort gibt, hat ein anderes Problem als diese Lücke.
Die abgesicherten Versionen sind PHP 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35. Läuft Ihre Seite auf einer älteren Reihe – etwa PHP 7 oder gar 5 –, gibt es dafür keine Aktualisierung mehr. Dann ist nicht das Update das Thema, sondern dass die Seite seit Jahren ohne Sicherheitspflege läuft.
2. Das Gerät im Büro, an das niemand denkt. Dieser Punkt wird am häufigsten übersehen. Viele Netzwerkspeicher – die Kästen von Synology oder QNAP, auf denen Pläne, Angebote und Fotos liegen – haben eine Weboberfläche, die ebenfalls auf PHP aufsetzt. Dasselbe gilt für manche Router und Überwachungskameras. Ist so ein Gerät aus dem Internet erreichbar, ist es angreifbar. Prüfen Sie in der Softwareverwaltung des Geräts auf Updates.
3. Ob Ihre Seite noch sauber ist. Wurde Ihre Seite in den letzten Tagen nicht aktualisiert, reicht ein Update möglicherweise nicht. Wer schon drin war, bleibt es meist auch nach dem Patch. Anzeichen sind unbekannte Dateien im Webverzeichnis, neue Administratorkonten oder plötzlich langsame Ladezeiten.
Wer nicht betroffen ist
Seiten ohne PHP. Dazu gehören Auftritte, die als statische Seiten ausgeliefert werden – etwa mit Next.js, Astro oder Hugo gebaut und bei einem Anbieter wie Vercel oder Netlify gehostet. Dort wird beim Aufruf kein Programm auf einem Server ausgeführt, sondern eine fertige Datei ausgeliefert. Was nicht läuft, kann nicht übernommen werden.
Das ist kein Argument gegen PHP – die Sprache treibt einen großen Teil des Webs an und wird aktiv gepflegt; die Updates standen am Tag der Veröffentlichung bereit. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Bauweise einer Webseite darüber mitentscheidet, wie viel Wartung sie dauerhaft braucht. Eine Seite mit Datenbank und Anmeldebereich braucht beides: regelmäßige Pflege und jemanden, der bei so einer Meldung innerhalb eines Tages reagiert.
Die Webseite, auf der Sie diesen Text lesen, enthält kein PHP. Für uns war der 21. Oktober ein Tag wie jeder andere – nicht, weil wir klüger wären, sondern weil wir an dieser Stelle eine andere Bauweise gewählt haben.
Was zu tun ist
- Beim Hoster oder der Agentur nachfragen, ob aktualisiert wurde – heute, nicht nächste Woche.
- Netzwerkspeicher, Router und Kameras mit Weboberfläche auf Updates prüfen.
- Läuft die Seite auf PHP 7 oder älter: Das ist kein Update-Fall, sondern ein Grundproblem.
- Nach dem Update kontrollieren, ob die Seite normal läuft und nichts Fremdes dazugekommen ist.
Wenn Sie nicht wissen, worauf Ihre Webseite läuft oder wer sie betreut, ist das ein eigener Befund – und der häufigste, dem wir begegnen. Wir sehen uns das an und sagen Ihnen, woran Sie sind. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder prüfen Sie zuerst Ihre E-Mail-Einstellungen – das dauert eine Minute und ist der zweite Punkt, an dem die meisten Betriebe offen stehen.
Quellen
Die technischen Angaben in diesem Text stammen aus der Berichterstattung von heise security vom 21. und 22. Oktober 2026 sowie aus den Veröffentlichungen des PHP-Projekts. Stand dieses Artikels: 22. Oktober 2026. Die Lage kann sich kurzfristig ändern.
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