KI im Handwerksbetrieb: Was sich heute wirklich lohnt – und was nicht
Zwischen Werbeversprechen und Alltag liegt eine große Lücke. Drei Einsätze, die in einem Handwerksbetrieb heute schon Zeit sparen, drei die es nicht tun – und die Datenschutzfrage, die vorher geklärt sein muss.
Kurz gesagt: Für einen Handwerksbetrieb lohnt sich KI heute vor allem dort, wo geschrieben und sortiert wird – nicht dort, wo gerechnet oder entschieden wird. Die nützlichen Einsätze sind unspektakulär und sparen trotzdem jede Woche Zeit. Die spektakulären kosten Geld und liefern selten.
Was heute schon funktioniert
Angebots- und Kundentexte formulieren. Die Leistung steht in Stichworten fest, die Formulierung dauert trotzdem zwanzig Minuten. Ein Sprachmodell macht aus Stichpunkten einen ordentlichen Text, den Sie noch anpassen. Das gilt genauso für Absagen, Terminverschiebungen, Mahnungen und Stellenanzeigen – alles Schreibarbeit, die niemand gerne macht und die trotzdem gut klingen soll.
Sprachnotizen in Text umwandeln. Aufmaß auf der Baustelle ins Handy sprechen, als Text im Büro ankommen lassen. Die Spracherkennung ist inzwischen zuverlässig genug, auch bei Lärm und Dialekt. Das ersetzt den Zettel, der im Transporter liegen bleibt.
Lange Dokumente zusammenfassen. Ausschreibungsunterlagen, Herstellerhinweise, Verträge: Eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Punkten spart das erste Durchlesen. Die Entscheidung treffen Sie danach selbst – aber Sie wissen schneller, ob sich das Dokument überhaupt lohnt.
Was sich heute nicht lohnt
Automatische Kalkulation und Preisfindung. Ein Sprachmodell rechnet nicht, es formuliert. Es wirkt überzeugend und liegt bei Zahlen regelmäßig daneben. Für Kalkulation gibt es Handwerkersoftware, und die rechnet richtig.
Telefonassistenten, die Anrufe annehmen. Die Werbung verspricht, dass kein Auftrag mehr durch verpasste Anrufe verloren geht. In der Praxis merken Anrufer sofort, dass sie mit einer Maschine sprechen, und legen auf – gerade ältere Kundschaft und gerade im Notfall. Ein Mensch, der zuverlässig zurückruft, ist derzeit das bessere System.
Fertige KI-Lösungen für das Handwerk von der Stange. Viele davon sind eine Oberfläche um dieselben Sprachmodelle, die Sie ohnehin nutzen können – zum Vielfachen des Preises. Fragen Sie vor jedem Abschluss, was das Produkt kann, das ein normales Sprachmodell nicht kann.
Die Frage, die vorher geklärt sein muss
Sobald Sie Kundendaten, Angebote oder Verträge in ein KI-Werkzeug geben, verlassen diese Daten Ihren Betrieb. Das ist nicht automatisch ein Problem, aber es muss bewusst entschieden werden – und bei personenbezogenen Daten brauchen Sie eine saubere Grundlage.
Praktisch gibt es zwei Wege. Entweder Sie nutzen ausschließlich Werkzeuge, die vertraglich zusichern, dass Ihre Eingaben nicht zum Training verwendet werden und in Europa verarbeitet werden – das bieten die Geschäftsvarianten der großen Anbieter, so auch Microsoft Copilot innerhalb eines Microsoft-365-Vertrags. Oder Sie legen fest, dass nur anonymisierte Inhalte hineingehen: Leistungstext ja, Kundenname und Adresse nein.
Der dritte Weg, den manche Anbieter bewerben – ein eigenes Modell auf einem Rechner im Betrieb –, ist für die allermeisten Handwerksbetriebe technisch und finanziell nicht sinnvoll. Die Hardware kostet mehr als der gesamte Nutzen.
Ein realistischer erster Schritt
Nehmen Sie eine einzige wiederkehrende Schreibaufgabe – zum Beispiel die Standardantwort auf Anfragen, die nicht ins Gebiet passen – und lassen Sie sie einmal formulieren. Wenn das vier Wochen lang Zeit spart, nehmen Sie die nächste dazu. Was Sie nicht brauchen, ist ein KI-Projekt. Was Sie brauchen, ist eine Aufgabe weniger.
Wichtiger als jedes KI-Werkzeug bleibt übrigens die Grundlage darunter: Wenn Angebote auf drei verschiedenen Rechnern liegen und E-Mails im privaten Postfach, hilft auch die beste Automatisierung nicht. Wo man dafür sinnvoll anfängt, steht im Beitrag Digitalisierung im Handwerk.
Wenn Sie prüfen möchten, was sich in Ihrem Betrieb automatisieren lässt, finden Sie mehr dazu unter Prozessautomatisierung.
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